Themen-Special
Vom Winde verweht in Atlanta
Atlanta ging in Vom Winde verweht ebenso in Flammen auf wie die wirklichen Stadt im Bürgerkrieg. Keine einzige Szene des Films wurde dort gedreht. Und doch lässt sich hier eine ganze Menge entdecken: über den Film und über den Roman von Margaret Mitchell, auf dessen Grundlage er entstand.
Atlana wirkt heute, mit seinen Wolkenkratzern in Mid- und Downtown
sowie im Szeneviertel Buckhead, so modern wie wenige andere
amerikanische Metropolen. In vielen Winkeln aber lebt sie noch, die
Romantik des Alten Südens, die Mitchell zu
ihrem Buch inspirierte. Gute Ausgangspunkte für Erkundungen des Mythos namens Vom
Winde verweht bilden die ehemalige Wohnung der Autorin im
Margaret Mitchell House
und das älteste Restaurant der Stadt,
Pittypat's Porch.
Das heute als Margaret Mitchell House bekannte Backstein-Gebäude in
der Peachtree Street wurde 1899 errichtet. Die Autorin bewohnte von 1925
bis 1932 mit ihrem Ehemann John Robert Marsh ein kleines Appartement.
Von 1979 bis 1994 stand das Haus leer. In diesem Jahr legte ein
Brandstifter Feuer. Das deutsche Unternehmen Daimler-Benz
spendete 4, 5 Millionen Dollar
für den Wiederaufbau zu einem Museum. Zwei Jahre später schlug erneut
ein Brandstifter zu. Fast alles wurde zerstört, aber nicht das
Appartement von Margaret Mitchell. Daimler-Benz spendete ein weiteres
Mal. Seit 1997 präsentiert sich das Haus in seiner jetzigen Form. Das
Appartement Nr. 1 kann auf geführten Touren besichtigt werden. Man sieht
die kleine Schreibecke im Wohnzimmer, in der Mitchell, damals eine
arbeitslose Journalistin, das Buch von 1926 bis 1929 schrieb. Im Zimmer
daneben schlief und aß das Ehepaar. Darüber hinaus beschränkt sich die
bescheidene Bleibe auf eine Küche und ein kleines Bad. Die Einrichtung
besteht aus Möbeln der Epoche, wie sie das Ehepaar damals benutzte. In
zwei getrennten Gebäuden sind das Besucherzentrum mit Andenkenladen und
das Museum untergebracht.
Das Buch erschien 1936 und verkaufte sich bereits in den ersten sechs
Monaten 1,2 Millionen mal. Im Jahr 1939 folgte der legendäre Film mit
Premiere in Atlanta. Buch und Film machten Margaret Mitchell zwar reich,
doch lebte sie weiterhin sehr bescheiden. Viel Geld gab sie an
afroamerikanische Studenten als Stipendien, auch
feministische Projekte unterstützte sie. Mitchell starb 1948, erst 48 Jahre alt,
nachdem ein Auto sie auf der Peachtree Street angefahren hatte.
Ein Besuch des altmodischen Südstaaten-Restaurants Pittypat's Porch ist die beste Fortsetzung eines Nachmittags im Margaret Mitchell House. Der Name ist Program: Im Roman wohnte Scarlett bei ihren Besuchen in Atlanta immer bei ihrer Tante Pittypat. Wenig hat sich in dem Lokal seit seiner Eröffnung 1968 geändert. Oben findet man eine große Bar, an der Schaukelstühlen statt Barhockern stehen. Den hauseigenen Cocktail Scarlett's Passion sollte man unbedingt probieren. Eine knarrende Holztreppe führt, an der hauseigenen Bäckerei entlang, in den gemütlichen Speiseraum hinunter. Auf den Tisch kommen klasssische Südstaaten-Gerichte wie South Georgia Gumbo, Blackeyed Pea Cakes, Fried Chicken oder Pork Tenderloin with Curried Peanut Sauce sowie Desserts wie der Georgia Peach Cobbler. An den Wänden hängen Filmplakate.

